24. September 2026 | M.Sc.-Met. Oliver Reuter

Flugwettervorhersagen: Der GAFOR

Flugwettervorhersagen: Der GAFOR

Datum 24.09.2026

In der Fliegerei gibt es verschiedenste Produkte, aus denen sich die Wetterbedingungen und Wetterprognosen ableiten lassen. Ein solches Produkt ist der sogenannte GAFOR, der heute als Teil einer Reihe von Vorhersageprodukten vorgestellt werden soll.

Charlie (C), Oscar (O), Delta (D), Mike (M), X-Ray (X): Was unter anderem klingt wie die Aneinanderreihung unterschiedlicher englischsprachiger Namen ist in Wahrheit eine codierte Form der Flugwettervorhersage, nämlich der sogenannte GAFOR. Das bedeutet, dass sich hinter den dafür stehenden Buchstabenkürzeln C, O, D, M und X meteorologische Bedingungen verbergen, anhand derer eine Pilotin oder ein Pilot Entscheidungen treffen kann, ob das Flugwetter ausreichend gut genug in einem bestimmten Gebiet ist, um ein Flugvorhaben durchzuführen. GAFOR steht dabei für General Aviation Forecast und ist eine Wettervorhersage für den Sichtflug der Allgemeinen Luftfahrt, also nicht die Verkehrsluftfahrt.

Der GAFOR ist in Deutschland schon seit vielen Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Flugwettervorhersage und wird im Sommerhalbjahr fünfmal am Tag, im Winterhalbjahr viermal am Tag, für jeweils 6 Stunden durch die Luftfahrtberatungszentralen West, Nord, Ost, Süd und die Flugwetterzentrale Frankfurt ausgegeben.

Für diese Art der Flugwettervorhersage wurde Deutschland in insgesamt 73 einzelne Gebiete mit den Nummern von 00 bis 84 gegliedert, welche meistens zusammenhängende Naturräume wie die Rhön (Nr. 47), Mittelfranken (Nr. 56) aber auch das eher kleine Neuwieder Becken (Nr. 38) sind. Für jedes dieser Gebiete wird nun für einen Zeitraum von je 2 Stunden vorhergesagt, welche Sichtweite in Kilometern und welche Wolkenuntergrenze in hft über der jeweiligen Bezugshöhe (Achtung, für jedes Gebiet individuell festgelegt!) vorherrschend ist. Hinzu kommen Angaben zu unterschiedlichen Wettererscheinungen, wie etwa vereinzelt auftretende Gewitter (ISOL TSRA) oder häufig auftretender Nebel (FRQ FG).

Alles zusammen ergibt dann einen nach einem bestimmten Schema festgelegten Code mit einer Farbe, was von Blau für C, Grün für O, Gelb für D, Orange für M bis Rot für X reicht.

Damit wird schon beim Blick auf die Deutschlandkarte mit seinen GAFOR-Gebieten rasch klar, welche Bereiche fliegbar sind und wo ein Flugvorhaben der Allgemeinen Luftfahrt besser entfällt.


Die angezeigte Tabelle zeigt die GAFOR-Einstufungen mit den jeweiligen Wetterbedingungen.


Die Wetterbedingungen in diesen Gebieten sind immer mit bestimmten Spannen versehen und nicht auf einen einzelnen Wert festgelegt. So beträgt die Bodensicht bei Charlie (C = clear) mindestens 10 km oder mehr und die Hauptwolkenuntergrenze liegt bei mehr als 5000 ft (50 hft) über der Bezugshöhe. Bei Oscar (O = open) muss die Hauptwolkenuntergrenze bei mindestens 2000 ft und die Sichtweite bei mindestens 8 km liegen.

Bei Delta (D = difficult) werden die Bedingungen schon schwieriger für Flugvorhaben, hier sind für eine solche Einstufung Hauptwolkenuntergrenzen zwischen 1000 und 2000 ft bei einer Sichtweite von 5-8 km vonnöten. Bei Mike (M = marginal) ist die Hauptwolkenuntergrenze nur noch bei 500 bis 1000 ft über der Bezugshöhe und die Bodensicht bei 1,5 bis 5 km.

Bei X-Ray (closed) sind die Werte der Hauptwolkenuntergrenze und der Sicht noch unter denen von Mike, was einen sicheren Flug eigentlich ausschließt. Bei Delta und Mike können noch Zahlen von 1 bis 8 angehangen werden, was aufzeigt, welche Bedingung zur jeweiligen Klassifikation führte.


Der GAFOR für den 15.09.2026 um 06 MESZ zeigt die Gebiete mit unterschiedlichen Farbcodierungen in Abhängigkeit der jeweiligen Wetterbedingungen.


Blicken wir nun zum Abschluss noch auf eine offizielle GAFOR-Vorhersage vom 15. September 2026 um 06 Uhr morgens: Es ist gut zu sehen, wie alle genannten Farben und Codierungen an diesem Tag vertreten waren, denn in einer recht feuchten Luftmasse bei Hochdruckeinfluss und zu Beginn des Herbstes konnte sich nachts häufig Nebel oder tiefer Stratus bilden. Dies führte dazu, dass einige Gebiete schlechte bis sehr schlechte Flugwetterbedingungen aufwiesen und auch in den Folgestunden noch aufweisen sollten. Mit einem Blick wird der geschulten Pilotin oder dem Piloten deutlich, dass man im Nordosten und Südwesten gutes Flugwetter vorfinden wird, vor allem über Teilen Bayerns dieses aber sehr schlecht ist.

Und übrigens, so wie in Deutschland beim GAFOR Gebiete codiert werden, so wird in den durch die Alpen stark gegliederten Ländern Österreich und der Schweiz eine Vorhersage für festgelegte Flugrouten nach einem ähnlichen Schema gemacht.

Falls Sie nun neugierig geworden sind, den aktuellen GAFOR des DWD gibt es hier: GAFOR Deutschland



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