In einer sehr religiösen Welt, in der die Vorstellung eines Raumes mit absoluter Leere auf Erden nicht in das Glaubensbild der Menschen passte, wollte der Magdeburger Bürgermeister Otto Guericke genau dies erzeugen. 1656 startete er seine Experimentenreihe mit einem Holzfass. Seine Theorie: Wenn zuerst Wasser in das Fass gefüllt wird und er dieses dann ablasse, müsste in dem Fass die gesuchte Leere herrschen. Sein Problem jedoch: Das verwendete Holzfass war nicht komplett dicht und es gelangte Luft hinein. Dies hörte er an den Blasen, die durch das Eindringen der Luft entstanden. Er brauchte ein stabiles und dichtes Gefäß und ließ sich schließlich von einem Kupferschmied zwei Halbkugeln anfertigen. Außerdem verwendete er eine bessere Pumpe, mit der er direkt die Luft aus den zusammengesetzten Halbkugeln absaugen konnte. Nach kräftigem Ziehen und Zerren war schließlich all die Luft aus der Kupferkugel herausgepumpt und Guericke hatte sein Ziel erreicht. In dem Gefäß befand sich absolut nichts.
Doch bei dem Versuch, die beiden Halbkugeln wieder auseinanderzunehmen stellte er etwas Überraschendes fest. Egal wie viele starke Männer er an den beiden Hälften ziehen ließ, sie wollten sich einfach nicht trennen, obwohl sie von außen nicht aneinandergeschraubt waren. Darum besorgte er 16 Pferde und spannte je 8 vor eine Halbkugel. Auch diesen gelang das Auseinanderziehen nicht. Die Luft in der Umgebung schien so stark zu sein, dass sie die beiden Teile so zusammendrückte, dass sie nicht trennbar waren.
Mit diesem spektakulären Trick trat Guericke unter anderem bei Fürsten auf. Doch die Frage, wie stark nun die Luft genau sei, ließ ihn nicht los. Um dies herauszufinden, befestigte er die obere Halbkugel an einem Galgen und hängte an die untere Hälfte eine Waage, auf die er nach und nach Gewichte stellte. Gewicht um Gewicht fügte er hinzu, doch die Kugel blieb als Ganzes. Schließlich nach 275 kg trennten sich die beiden Teile. Dass die Luft einem solch hohen Gewicht entgegenwirken konnte, beeindruckte Guericke und er fragte sich, was er noch alles mithilfe dieser Kraft machen könne.
So kam er auf die Idee, eine luftleere Röhre in Wasser zu halten. Nach seiner Vorstellung müsse das Wasser nun in der Röhre nach oben steigen. Dies geschah auch, sogar bis in eine Höhe von 12,7 Metern. Um zu schauen, wie und ob sich der Wasserstand verändere, markierte Guericke die Höhe des Pegels. Nach einer Weile sank dieser. Guericke vermutete zunächst, dass das Rohr nicht mehr dicht sei. Doch an einem anderen Tag stieg die Wasserhöhe erneut. Das ist wirklich seltsam, oder? Nun ein kleiner Tipp, um des Rätsels Lösung näherzukommen: Der Wasserpegel stieg an Tagen mit gutem Wetter und fiel bei schlechtem Wetter. Guericke entwickelte mit diesen einfachen Mitteln also eine Methode, um festzustellen, ob gerade Hochdruck ("schönes" Wetter) oder Tiefdruck ("schlechteres" Wetter) vorliegt. Bei hohem Außendruck wird das Wasser mehr in das Rohr gepresst und steigt höher, andersherum bei niedrigerem Außendruck. Durch das Studieren dieses Zusammenhangs gelang es ihm, vereinfachte Vorhersagen über das Wettergeschehen zu tätigen. Damit wurde Guericke dann berühmt und durfte sich fortan Otto von Guericke nennen.
Er wies mit seinen Versuchen nicht nur die Existenz des Vakuums nach, sondern entdeckte schon im 17. Jahrhundert eine der Grundlagen der Wettervorhersage.

