10. August 2026 | Dipl.-Met Marco Manitta

Ätna: Feuer, Asche und Gewitter

Ätna: Feuer, Asche und Gewitter

Datum 10.08.2026

Der Ätna ist erneut ausgebrochen. Während die Eruption für spektakuläre Bilder sorgt, beeinträchtigt Vulkanasche den Flugverkehr rund um Catania. Gleichzeitig spielt das Wetter eine entscheidende Rolle für die Ausbreitung der Asche und sogar für die Entstehung von Gewittern über den Lavaströmen.

Seit dem 6. August steht der Ätna auf Sizilien erneut im Fokus. Europas größter und aktivster Vulkan ist ausgebrochen und sorgt nicht nur für ein beeindruckendes Naturschauspiel, sondern auch für erhebliche Einschränkungen im Flugverkehr. Immer wieder musste der Luftraum über dem Flughafen Catania aus Sicherheitsgründen teilweise gesperrt werden, da Vulkanasche ein erhebliches Risiko für Flugzeuge darstellt. Zahlreiche Flüge wurden gestrichen oder auf andere Flughäfen umgeleitet.

Dabei sind Ausbrüche des Ätna nichts Ungewöhnliches. Der Vulkan gehört zu den aktivsten der Erde und zeigt jedes Jahr mehrere Eruptionsphasen. Der aktuelle Ausbruch geht vom Hauptkrater aus und stellt für die umliegenden Ortschaften derzeit keine unmittelbare Gefahr dar. Gewaltige Lavafontänen schleudern glühendes Material hunderte Meter in die Höhe, während eine Aschewolke weit über den Gipfel hinaus aufsteigt. Gleichzeitig fließt an der Ostflanke Lava in das unbewohnte Valle del Bove – ein mehrere Kilometer breites Einbruchstal, das seit Jahrhunderten als natürlicher Auffangraum für Lavaströme dient.

Nächtlicher Ausbruch des Ätna mit einer eindrucksvollen Lavafontäne und einem rotglühenden Lavastrom im Valle del Bove.(Quelle: Bild von Alessandro Micalizzi)


Gerade deshalb zieht der Ätna derzeit zahlreiche Besucher an. Besonders spektakulär ist das Schauspiel nach Sonnenuntergang. Dann leuchten die Lavafontänen und glühenden Gesteinsbrocken weithin sichtbar vor dem dunklen Nachthimmel. Auch der Lavastrom lässt sich aus sicherer Entfernung gut beobachten.

Die Lavafontäne des Hauptkraters schleudert glühende Gesteinsbrocken mehrere hundert Meter in die Höhe. (Quelle: Bild von Alessandro Micalizzi)


Über den heißen Lavafeldern entstehen zudem häufig sogenannte Staubteufel – kleine rotierende Wirbel, die Asche und vulkanisches Material aufwirbeln. Tagsüber kommt ein weiteres Wetterphänomen hinzu: Die intensive Erwärmung über den Lavaströmen fördert zusammen mit der labil geschichteten Luft die Bildung von Quellwolken. Im Tagesverlauf können daraus örtliche Schauer und Gewitter entstehen. Wer den Ausbruch beobachten möchte, sollte daher möglichst die Abend-, Nacht- oder frühen Morgenstunden wählen. Dann sind die Sichtverhältnisse meist besser und das Gewitterrisiko deutlich geringer.

Über dem heißen Lavastrom bildet sich ein sogenannter Pyrocumulus. In den wärmsten Stunden des Tages kann sich diese Quellwolke bei ausreichend labiler Atmosphäre zu einer Gewitterwolke (Pyrocumulonimbus) weiterentwickeln. (Quelle: WebEtneo)


Trotz der derzeit vergleichsweise ungefährlichen Eruptionsform gilt: Ein Vulkanausbruch sollte niemals auf eigene Faust erkundet werden. Das Gelände ist steil, unübersichtlich und kann sich innerhalb kurzer Zeit verändern. Wer die Lava aus sicherer Entfernung beobachten möchte, sollte ausschließlich markierte Wege nutzen und sich einer geführten Exkursion anschließen. Ein beliebter Ausgangspunkt ist das Rifugio Citelli an der Ostseite des Vulkans. Von dort führt ein Wanderweg auf rund 2200 Meter Höhe bis an den Rand des Valle del Bove, von wo aus sich der Lavastrom häufig besonders gut beobachten lässt.

Auch in den kommenden Tagen dürfte die Situation am Flughafen Catania angespannt bleiben. Solange der Ausbruch anhält und der Wind die Asche in Richtung Süden beziehungsweise Südosten verfrachtet, kann der Flugbetrieb jederzeit erneut eingeschränkt werden. Da sowohl die Intensität der Eruption als auch die Windrichtung kurzfristigen Änderungen unterliegen, lässt sich eine Sperrung des Luftraums oft nur wenige Stunden im Voraus abschätzen.

Der Ätna zeigt damit einmal mehr eindrucksvoll, wie eng Meteorologie und Vulkanologie miteinander verbunden sind: Nicht allein die Stärke eines Ausbruchs entscheidet über seine Auswirkungen, sondern häufig auch das Wetter – insbesondere die Windrichtung und die Stabilität der Atmosphäre.



© Deutscher Wetterdienst