03. April 2025 | M.Sc. Sebastian Altnau

Auf Frühlingswärme folgt Temperatursturz

Auf Frühlingswärme folgt Temperatursturz

Datum 03.04.2025

Nach einigen sehr sonnigen Tagen mit richtiger Frühlingswärme gibt es zum Wochenende einen herben Rückschlag. Kaltluft aus arktischen Gefilden flutet ab Samstag weite Teile des Landes und führt zu einem regelrechten Temperatursturz.

Steigen wir an dieser Stelle jedoch zunächst mit den zwei sehr milden oder gar schon warmen Frühlingstagen ein, die uns bis einschließlich des morgigen Freitags noch ins Haus stehen. Verantwortlich für das sonnige und milde bis warme Frühlingswetter zeichnet sich Hoch NOEMI, welches sich über Südskandinavien eingerichtet hat. So steht heute bei landesweit blankgeputztem Himmel eine fast ungestörte Sonnenausbeute auf dem Programm. Einzelne Quellwolken über den Bergen oder dünne Schleierwolken dürften wohl nur an wenigen Flecken einen schmückenden Rahmen geben. Im Vergleich zum gestrigen Mittwoch machen die Temperaturen heute nochmal einen Satz nach oben. So klettert das Quecksilber am Nachmittag auf vielfach schon T-Shirt taugliche 16 bis 20 Grad. Die wärmsten Regionen lassen sich in den Flussniederungen von Rhein und Ruhr bei Höchstwerten von 22 Grad ausmachen. In Ostfriesland aber auch an den Küsten der Ostsee braucht man bei auflandigem Wind und frischeren 14 Grad allerdings eine Jacke.


Und weil’s so schön war, geht’s am Freitag mit der Frühlingswärme in eine neue, allerdings letzte Runde. Zwar baut Hoch NOEMI kräftemäßig etwas ab, aber einem erneuten Tag mit blauem Himmel und Sonne tut das keinen Abbruch. Lediglich im Osten und Norden des Landes gesellen sich im Tagesverlauf ein paar lockere Quellwolken hinzu. Abgesehen von den Küsten und dem Bergland wird verbreitet die 20-Grad Marke geknackt. In den Flussniederungen im Westen und Südwesten können sogar beinah sommerliche 23 oder 24 Grad erreicht werden. Bei der satten Sonnenausbeute von 12 bis 13 Stunden und einer mittleren UV-Gefährdung sollte an beiden Tagen bei Aktivitäten im Freien der Sonnenschutz berücksichtigt werden (https://www.dwd.de/DE/leistungen/gefahrenindizesuvi/gefahrenindexuvi.html).


Animierte Darstellung von Geopotential und Temperatur in 500 hPa aus dem ICON13 Modell über Europa von Freitag, 04.04.2025 0 UTC bis Sonntag, 06.04.2025 0 UTC (Quelle Deutscher Wetterdienst)


Welchem Wetterakteur haben wir nun den angekündigten Temperatursturz am Wochenende zu danken? Der Übeltäter ist schnell gefunden. Vom Nordpolarmeer stößt bis zum Freitag ein Trog zunächst über Skandinavien und Nordosteuropa vor und macht am Samstag über dem östlichen Mitteleuropa und Osteuropa bis zum Balkan nochmal ordentlich Boden nach Süden gut (siehe Abbildung 1). Das hört sich zwar zunächst weit weg an. Allerdings ist daran auch eine Kaltfront gekoppelt, die in der Nacht zum und am Samstag auch Deutschland von Nord nach Süd überqueren wird. Wer sich in den vielfach zu trockenen Regionen in der Nordhälfte (siehe Thema des Tages vom 01.04.2025) nun schon auf frisches Nass von oben gefreut hat, wird enttäuscht werden. Die Kaltfront selbst ist bis auf einige Wolkenfelder weitgehend wetterinaktiv, da der Trogvorstoß nicht weit genug westlich erfolgt und somit ein ausreichender Hebungsantrieb fehlt. Des Weiteren läuft sie nach Westen zu in das Hochdruckgebiet hinein, dessen Schwerpunkt sich nun in etwa zwischen Norwegen und den Britischen Inseln positioniert hat.


Animierte Darstellung von Temperatur in 850 hPa und dem Bodendruck aus dem ICON13 Modell über Europa von Freitag, 04.04.2025 0 UTC bis Sonntag, 06.04.2025 0 UTC (Quelle Deutscher Wetterdienst)


Aber zumindest thermisch ist die Kaltfront ein ordentliches Kaliber. So strömt mit der Kaltfront bzw. rückseitig insbesondere in die Osthälfte eine arktische Kaltluft ein. Der Kaltluftvorstoß ist beispielsweise gut in der Temperatur in 850 hPa in Abbildung 2 zu erkennen. Der Nordpol lässt grüßen, da die Luftmasse sich von dort aus auf den Weg zu uns macht. Eine kältere Quellregion findet sich zu dieser Jahreszeit nicht.

Nun was heißt das für die Temperaturvorhersagen am Wochenende. Am Samstag schlägt sich der Temperatursturz in den erwarteten Höchstwerten vor allem in der Nord- und Osthälfte nieder. Meist werden dort nur noch 10 bis 16 Grad, in Vorpommern gar nur mehr um 8 Grad erreicht. Und dazu gesellt sich teils auch noch ein stark böiger Nordostwind. Statt T-Shirt braucht es bei der Kleiderwahl nun zusätzlich noch einen Pullover und eine Jacke. Dazu ziehen vorübergehend dichtere Wolken von Nord nach Süd. In der Südwesthälfte hingegen merkt man vom Luftmassenwechsel noch nicht allzu viel. Hier schlagen bei den Höchstwerten nochmal frühlingshafte 17 bis 23 Grad zu Buche.

Am Sonntag ist der Temperaturrückgang auch im Südwesten spürbar, wenngleich dieser etwas weniger stark ausfällt. Am Oberrhein dürfte es nur noch für Werte um oder knapp über 15 Grad reichen. In der übrigen Westhälfte kommt bei erneut viel Sonnenschein die Temperatur zumindest noch auf zweistellige 10 bis 14 Grad. In der Osthälfte hingegen sind einstellige Tageshöchstwerte von 6 bis 9 Grad angesagt.


Tagesmaxima und -minima für Samstag, 05.04.2025, und Sonntag, 06.04.2025 (Quelle Deutscher Wetterdienst)


Auch in den Nächten macht sich die polare Kaltluft in Form von empfindlichen Nachtfrösten bemerkbar. Während es in der Nacht zum Sonntag zunächst in der Osthälfte frostig wird, ist die Frostgefahr in der Nacht zum Montag landesweit gegeben. Teils fallen die Minima bis auf -4 Grad, im Bergland oder geschützten Lagen wird es teils noch etwas kälter. Frostschäden an der austreibenden Natur werden daher wohl kaum ausbleiben. Hobbygärtner können sich zum Thema Gartenwetter und die Frostgefährdung von Baumblüten unter folgender Adresse weitergehender informieren: https://www.dwd.de/DE/leistungen/frost_gef/frostgefahr.html?nn=588520.

Zwar kann sich die Luftmasse im Lauf der neuen Woche peu à peu etwas erwärmen, allerdings bleibt die Frostgefahr auch in den Folgenächten bestehen.



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