11. August 2026 | M.Sc.-Met. Oliver Reuter

Die partielle Sonnenfinsternis vom 12. August 2026

Die partielle Sonnenfinsternis vom 12. August 2026

Datum 11.08.2026

Am morgigen Mittwoch steht für ganz Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis an, bei der zwischen 85 und 90 % der Sonne verdunkelt werden. Was es damit auf sich hat und wie das Wetter hierzu wird, soll das heutige Thema des Tages sein.

Während von Ostgrönland über Island bis zur Iberischen Halbinsel am morgigen Mittwochabend eine totale Sonnenfinsternis zu bestaunen ist, können wir in Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis beobachten, bei der zumindest der größte Teil der gerade untergehenden Sonne verdunkelt wird.

Grundlagen:

Nach einigen partiellen Finsternissen in der Vergangenheit ist es seit der totalen Finsternis im Jahre 1999 wieder einmal ein größeres astronomisches Highlight, was das Zusammenspiel von Sonne und Mond hervorbringt. Dabei schiebt sich der Mond auf seiner Umlaufbahn zwischen Sonne und Erde und verdeckt den Zentralstern unserer Galaxie vollständig, oder auf Deutschland bezogen, immerhin noch größtenteils. Zum Höhepunkt, der abends um kurz nach 20 Uhr zu erwarten ist, werden rund 85% im Nordosten und bis zu 90% der Sonne im Südwesten verdunkelt sein, sodass von der eigentlichen Sonnenscheibe nur noch eine Sichel übrig bleiben wird.


Betrachtet wird die maximale Abschattung und die zugehörige Uhrzeit im Rahmen der morgigen Sonnenfinsternis für verschiedene Orte Deutschlands und Mitteleuropas.


Da die Finsternis mit dem Sonnenuntergang zusammenfällt, entsteht ein besonderes Lichtspiel aus der untergehenden und dann abgeschatteten Sonne, sodass teils auch nur die Sichel am Horizont verschwinden wird.

Auswirkungen:

Für die Meteorologie ist eine Sonnenfinsternis immer eine spannende Geschichte, da sich die Sonne hauptverantwortlich als Antreiber verschiedenster meteorologischer Größen zeigt. So ist etwa anhand von Messdiagrammen der letzten größeren partiellen Finsternis aus 2015 am Hohenpeißenberg gut zu sehen, wie mit Eintritt der Verdunkelung die eigentlich am Vormittag ansteigende Temperatur wieder abfällt, es ergo kühler wird. Diese Energie fehlt dann auch für den Rest des Tages, sodass es kühler bleibt, als es ohne Sonnenfinsternis geworden wäre. Der Knick bei der gemessenen Globalstrahlung untermauert diesen Zusammenhang.


Zu sehen ist der berechnete und reale Verlauf von Globalstrahlung und Lufttemperatur am Tage der partiellen Sonnenfinsternis vom 20. März 2015 am meteorologischen Observatorium Hohenpeißenberg.


Nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Bedeutung der erneuerbaren Energien (u.a. Stromproduktion aus Photovoltaikanlagen) sollten solche Auswirkungen möglichst präzise vorhergesagt werden können. Daher wurde vonseiten der Abteilung FE (Forschung und Entwicklung) des DWD eine Implementierung der Vorgänge einer Sonnenfinsternis in die ICON-Modellkette vorgenommen. Genauer gesagt wurde mit Wirkung zum 5. August 2026 eine Parametrisierung (Beschreibung) der Abschattung der Sonne in die Modellrechnungen integriert, sodass die direkten Auswirkungen auf die Strahlungsdaten im Vorhersagemodell abgeleitet werden können. Ohne diese Parametrisierung würde das Modell den Effekt der Sonneneinstrahlung für die Dauer der Finsternis deutlich überschätzen. Noch ist dies zwar nur für das ICON-Globalmodell und den europäischen Ausschnitt der Fall, bis zur nächsten partiellen Sonnenfinsternis im Sommer 2027 wird aber auch der Rest der deutschen Modellkette (u.a. ICON-D2) um diese Parametrisierung erweitert.

Wetter:

Unter dem Einfluss von Hoch RALF wird sich am morgigen Mittwoch landesweit die Sonne zeigen, dazu ist der Himmel vom Süden bis zur Mitte wolkenfrei. Lediglich weiter nördlich könnten gegen Abend (zwischen 19 und 21 MESZ) hohe Schleierwolken durchziehen, die den Blick auf die Sonnenfinsternis aber nur selten trüben sollten. Am ehesten ist dies über Schleswig-Holstein der Fall. Ansonsten lassen sich sowohl die partielle Finsternis zu ihrem Maximum (meist kurz nach 20 MESZ, siehe Bild 1) als auch die Perseiden in der Nacht zum Donnerstag überall wunderbar bestaunen.


Dargestellt ist die Gesamtbewölkung am morgigen Mittwochabend gegen 20 MESZ (18 UTC), wenn der Höhepunkt der Sonnenfinsternis erwartet wird. Lediglich den Norden und Teile der Mitte überziehen ein paar Wolken, meist handelt es sich dabei aber um dünne Schleierwolken (hellblau dargestellt).


Und wie für eine Sonnenfinsternis üblich steht in 2 Wochen bereits das nächste astronomische Highlight an: Eine Mondfinsternis!



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