09. Juni 2026 | Dipl. Met. Sabine Krüger

Wetterweisheiten aus den Bergen

Wetterweisheiten aus den Bergen

Datum 09.06.2026

Regionales Wetterwissen schlägt sich im sogenannten Hundertjährigen Kalender und in Bauernregeln nieder. Auch in den Bergen kann die Kenntnis des Wetters bzw. dessen Entwicklung sicherheitsrelevant sein - und auch hier gibt es regionale Weisheiten.

Wer gern in den Bergen unterwegs ist und erst recht, wenn es in hochalpine Regionen geht, der kommt um einen Blick in die Wetterentwicklung nicht herum - oder sollte es zumindest nicht. Das Wetter in den Bergen ändert sich teilweise sehr schnell und kann gefährlich werden. Von daher sollte schon bei der Planung das Wetter im Blick behalten werden, Touren umgeplant oder angepasst oder im Zweifelsfall auch gar nicht gestartet werden. Dies betrifft sowohl den Winter und Frühling mit Themen wie der Schnee-, Wind- und der damit verbundenen Lawinensituation als auch den Sommer bis in den Herbst mit Gewittern und Starkregenereignissen. In den Hochalpen sind auch Schneefälle im Frühsommer bis in den Juni hinein oder auch bereits wieder Ende August / Anfang September keine Seltenheit.


Foto einer Infotafel aus Casaccia/Maloja, Oberengadin, Schweiz
Foto einer Infotafel aus Casaccia/Maloja, Oberengadin, Schweiz



Bei einer Wanderung im Schweizer Engadin begegnete der Autorin in diesem Zusammenhang eine Infotafel mit meteorologischen und nicht meteorologischen Aspekten zum Thema Bergwetter oder besser gesagt mit einer Auflistung an Merksätzen, Regeln und Zeichen zur Einschätzung der Wettersituation in den Bergen. Einige davon beziehen sich auf die Tierwelt, einige sind meteorologisch erklärbar und bei anderen wiederum regten sich beim Lesen Zweifel an der Verlässlichkeit. Bereits in der Einleitung heißt es: "Schon seine [der auf dem Schild zitierte Bergbewohner Maiöc, Anmerkung der Autorin] Tasse Kaffee am Morgen gibt ihm den ersten Hinweis. Wenn sich die Blasen in der Mitte der Tasse sammeln, wird es schön. Sammeln sie sich hingegen am Rand, wird es Regen geben." - Nun ja, eine wirklich meteorologische Erklärung fällt diesbezüglich schwer.






Nachfolgenden hier noch einige Tricks von Maiöc zur Einschätzung des Wetters...

Gut und beständig bleibt das Wetter, wenn:
- Die Wolken aufsteigen.
- Sich früh kräftiger Tau bildet.
- Die Wolken sich im Sommer zusammenballen und anhäufen (Kumulus).*
- Die Schwalben hoch fliegen.
- Die Frösche abends lange quaken.
- Der Himmel mattblau und wolkenarm ist.
- Sich die Kondensstreifen der Flugzeuge schnell auflösen.
- Die Mückenschwärme in der Abendsonne tanzen.
- Sich nachts Reif oder Tau bildet.
- Nachts die Milchstraße deutlich zu sehen ist.

Analog gibt es auch einige Punkte, bei der nun die "Neigung zu schlechtem Wetter" absehbar ist:

- Die Bienen mitten im Tag aufhören Nektar zu sammeln.
- Wenn sich ein kräftiges Morgenrot auf tiefhängenden Wolken bildet.
- Frühnebel aufsteigt.
- Die Schwalben tief fliegen.
- Die Sterne stark flimmern.
- Der Tau im Sommer ausbleibt.
- Die Ameisen aufgeregt sind und offenbar planlos durch die Gegend laufen.
- Die Katze gähnt.
- Die Geräusche aller Art besonders deutlich und von weither hörbar sind.
- Die Insekten morgens schon lästig sind (Gewitter).

Diese Liste ist nicht vollständig und soll auch nicht im Einzelnen auf meteorologische Wertigkeit geprüft werden. Die komplette Liste findet sich auf beigefügtem Foto der beschriebenen Infotafel. Einzig auf die Weisheit mit der Cumulusbewölkung (*) soll hier kurz eingegangen werden. Danach soll das Wetter gut und beständig bleiben, wenn sich im Sommer die Wolken "zusammenballen und anhäufen" - das ist tatsächlich insbesondere in den Bergen ein schmaler Grat. Sicher gibt es flache Cumulusbewölkung, die auch als Schönwetter- oder Schäfchenwolken bezeichnet werden. Bei entsprechender, labiler Luftmasse und mit zusätzlichem Hebungsantrieb in den Bergen können aus kleinen Cumuluswolken allerdings schnell hochreichende Cumulus- und damit Gewitterwolken entstehen. Und dann kann es in offenem, hochalpinem Gelände gefährlich werden.

Egal wie, ob mit den oben genannten Aspekten oder vielleicht doch lieber mit einem Blick in entsprechende Wetterberichte oder Apps, bei Aufenthalten im Freien ist es immer ratsam, einen Blick auf die Wetterentwicklung zu richten und gegebenenfalls auch rechtzeitig umzukehren, falls sich wider Erwarten die Umstände doch anders entwickeln. Das betrifft natürlich auch nicht nur Aktivitäten in den Bergen. Manchmal wird man sonst vielleicht einfach nur nass und das ist unangenehm, vielleicht gerät man aber auch in gefährliche oder gar lebensbedrohliche, wetterbedingte Situationen.

Spezielle Berichte für die Alpen, aber auch für die Küsten von Nord- und Ostsee, die entsprechend angrenzenden Seegebiete oder auch den Bodensee gibt es auf unserer Homepage und in unserer WarnWetter-App.



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