Dass Ende Mai bei uns über 30 °C gemessen werden, kommt häufiger vor. Ungewöhnlich ist allerdings die Dauer dieser sehr frühen Hitzewelle, die in Frankreich und Großbritannien sogar schon Rekordtemperaturen gebracht hat.
Verantwortlich dafür ist eine sogenannte Omegawetterlage. Dabei liegt ein kräftiges Hochdruckgebiet über Mittel- und Westeuropa. Es blockiert die normalerweise vorherrschende West-Ost-Zugbahn der Tiefdruckgebiete, wodurch die Höhenströmung die Form des griechischen Buchstabens Omega annimmt – daher der Name. Solche blockierenden Wetterlagen entstehen, wenn der Jetstream stark gewellt ist und ein kräftiges Hochdruckgebiet zwischen zwei Tiefdruckgebieten festliegt. Dieses Muster dann sehr häufig über längere Zeit nahezu unverändert bestehen.
In diesem Hochdruckgebiet sinkt die Luft ab und erwärmt sich dabei stärker. Dieses Absinken sorgt zusätzlich für Wolkenauflösung. Abgesehen vom Norden und Nordosten präsentiert sich daher weite Teile Europas wolkenfrei. Durch die ungehinderte Sonneneinstrahlung kann sich die Luft unter dem Hoch weiter aufheizen. Zudem wird heiße und trockene Luft aus Nordafrika in das Hoch einbezogen, die auch mit etwas Saharastaub angereichert ist. Dadurch lassen sich die derzeit für die Jahreszeit ungewöhnlich hohen Temperaturen über West- und Mitteleuropa erklären.
Da diese Wetterlage stabil ist, konnte sich die Luft immer weiter aufheizen. Man spricht in diesem Fall auch von einem sogenannten „Heat Dome“ oder einer Hitzeglocke. Während die heißeste Luft über Westeuropa liegt, befinden wir uns am Rande dieser Hitzeglocke. Ansonsten wären auch hier Rekorde in Gefahr.
Solche Hitzeglocken sind für die meisten Rekordtemperaturen verantwortlich. Zudem können sie über einen längeren Zeitraum hinweg für Trockenheit sorgen. Da die Luft unter den Hitzeglocken oft nur wenig Feuchtigkeit enthält und die Verdunstung dadurch deutlich beschleunigt wird, sind viele Dürren auf lang anhaltende Hitzeglocken zurückzuführen. So auch im Sommer 2018, der in Deutschland einer der trockensten seit Beginn der Aufzeichnungen war. Zwischen Mitte Juni und Mitte August hielt sich die Hitze sogar mehrere Wochen lang am Stück.
Heute wird bei uns mit bis zu 34 °C am Oberrhein der Höhepunkt der Hitzewelle erreicht. Der Rekord aus dem Jahr 1922 mit 36,6 °C in Hamburg ist jedoch nicht in Gefahr.
Morgen erreichen wir den Nordostrand des Hitzehochs. Eine wetterunwirksame Kaltfront führt vorübergehend kühlere Luft aus Skandinavien in den Nordosten. Besonders die Nächte werden dann dort empfindlich kalt. Lokal ist sogar wieder Bodenfrost möglich. Der Südwesten bleibt hingegen in der sommerlichen Luftmasse.
Zum Ende der Woche ändert sich die Wetterlage. Das Hitzehoch wird langsam abgebaut, sodass atlantische Tiefausläufer übergreifen können. Ab Freitag nimmt dadurch die Gewitterneigung deutlich zu.
In der darauffolgenden Woche müssen wir uns dann auf einen wechselhaften Witterungsabschnitt einstellen. Dabei ist es nicht mehr ganz so warm.