09. September 2026 | Mag.rer.nat.Meister der Naturwissenschaften Florian Bilgeri

Tschüss Hochsommer, hallo Spätsommer und Frühherbst

Tschüss Hochsommer, hallo Spätsommer und Frühherbst

Datum 09.09.2026

Wahrscheinlich verabschiedete sich der Hochsommer für dieses Jahr nun endgültig. Doch der Spätsommer steht in den Startlöchern und arrangiert sich dabei mit dem Frühherbst.

Nachdem wir in den letzten beiden Themen des Tages einen ausführlichen Blick in die Vergangenheit unserer Disziplin wagten, wollen wir uns heute wieder dem meteorologischen Tagesgeschäft widmen und in die Gegenwart hüpfen - die Betrachtung der aktuellen Wettervorgänge lohnt sich nämlich durchaus.

Der gestrige Dienstag war hinsichtlich der gemessenen Temperaturen ein weiterer bemerkenswerter Tag in diesem außergewöhnlichen Sommer. Am Rande von Tiefdruckzone WEGA über Nordosteuropa und mit Hilfe des kleinen Tiefs XENIA über dem Westen des Kontinents wurde nochmals eine heiße Luftmasse aus dem westlichen Mittelmeerraum nach Mitteleuropa geführt. Dadurch erreichte die gemessene Lufttemperatur (2 m) in vielen Regionen des Südens und der Mitte mehr als 30 Grad Celsius. Besonders heiß war es vor allem in Baden-Württemberg und Bayern, die Spitzenposition konnte sich schließlich die Station Ohlsbach im Oberrheingraben mit einem Tagesmaximum von 34,5 Grad sichern. Kapp westlich der dortigen Landesgrenze war es in Straßburg (FRA) mit 35,1 Grad sogar noch etwas heißer. Setzt man die gemessenen Höchstwerte in einen klimatologischen Kontext, erkennt man, dass der gestrige Tag durchaus bemerkenswert ist. An vielen Wetterstationen im Süden der Bundesrepublik war es in einem September seit dem jeweiligen Messbeginn noch nie so warm. Der bundesweite Septemberrekord mit 36,5 Grad in Jena aus dem Jahr 1911 bzw. Bühlertal 1947 war aber etwas außer Reichweite.

Damit setzte der verlängerte Hochsommer 2026 gestern einen markanten Schlusspunkt. Das kleine, von Westeuropa zum Baltikum gezogene Tief XENIA, hat aber zwei Seiten aufzubieten. Hinter der von diesem Tief gesteuerten Kaltfront strömt nun deutlich kühlere Meeresluft vom Nordostatlantik nach Deutschland. Wie markant dieser Luftmassewechsel besonders im Süden ist, zeigt der heutige Temperaturabschlag im Vergleich zum Vortag: an manchen Messstellen im Süden können die Höchstwerte um bis zu 15 Grad tiefer sein als noch am Dienstag - ein veritabler Temperaturabsturz. Dazu trägt auch die an den Alpen befindliche Kaltfront bei, die im Südosten bis in den Abend zu schauerartig verstärktem Regen führt. In der Nacht zum Donnerstag taucht dann auch die Schneefallgrenze wieder in unseren Berichten auf: In den Alpen kann es bis auf 2400 m schneien. Solche "Wintereinbrüche" sind in diesen Höhen im September aber nichts Außergewöhnliches, sie waren in der Vergangenheit sogar oft noch deutlich stärker ausgeprägt. Ansonsten stellt sich am heutigen Mittwoch ein typischer frühherbstlicher Tag ein mit aufkommenden Schauern im Nordwesten und Norden und teils stark böigem Wind, zwischen Niederrhein und Elbe sowie an den Küsten ist auch die eine oder andere starke Böe dabei. Die Höchstwerte reichen von knapp unter 20 bis etwas über 20 Grad.


Vorhersagekarte für Samstag, 12.09.2026


Doch müssen wir uns nun mit einer frühherbstlichen, wechselhaften Witterung von heute für längere Zeit arrangieren? Der Blick auf die Bodenwetterkarte der kommenden Tage beantwortet diese Frage eindeutig mit nein. Bereits am Donnerstag baut sich von Westen her ein Hochdruckgebiet über Mitteleuropa auf. Dieses wird zwar am Freitag im Nordwesten durch eine atlantische Front etwas gestört, allerdings kann sich der Hochdruck am Samstag wieder regenerieren. Die Luftmasse erwärmt sich dabei etwas, sodass bereits am Freitag in den meisten Regionen wieder mehr als 20 Grad gemessen werden, am Samstag sind es entlang des Oberrheins, der Pfalz und im Rhein-Main-Gebiet sogar mehr als 25 Grad. Definitionsgemäß handelt es sich damit dort um einen Sommertag - man kann die Tage also durchaus auch noch als Spätsommer bezeichnen. Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass es besonders in der Südhälfte sowie im Osten erneut viele trockene Tage geben wird. Etwas außen vor ist hingegen der von atlantischen Tiefausläufern geprägte Nordwesten.



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