Nur wenige bestätigte Tornadofälle
Sollten Sie den Eindruck haben, dass sich Gewitter im Allgemeinen und Tornados im Speziellen in diesem Jahr zurückhalten, dann liegen Sie nicht falsch. Langanhaltende Hochdruck- und Dürrephasen prägen den Sommer 2026 in vielen Landesteilen.
Entsprechend liegt die Zahl der bisher in Deutschland bestätigten Tornados derzeit bei nur 13 Fällen. Ruft man sich die durchschnittliche jährliche Zahl von 49 bestätigten Tornados in Deutschland in Erinnerung, so gibt es noch reichlich Luft nach oben. Auch der August und der September gehören zu den Monaten, in denen häufiger Tornados auftreten. Zudem kann es sein, dass einzelne Verdachtsfälle später noch bestätigt werden. Trotzdem deuten die aktuellen Zahlen stark darauf hin, dass es 2026 eine deutlich unterdurchschnittliche Tornadosaison geben wird.
Einordnung des Jahres 2026 in die Statistiken seit dem Jahr 2000
Schaut man auf die Zahlen seit dem Jahr 2000, so sieht man, dass es immer wieder Phasen gab, in denen eine große Zahl an Meldungen auftrat, und andere, in denen sich nur sehr wenige Tornados in der Datenbank finden. Die Anzahl hängt stark von den jeweils vorherrschenden Großwetterlagen ab. Schaut man beispielsweise auf das Jahr 2018, so stehen dort 26 bestätigte Fälle zu Buche. Damals wie heute gab es eine ausgeprägte Dürre in weiten Teilen Deutschlands. Es mangelte schlicht an passenden Wetterlagen für das Auftreten von Tornados.
Spätestete erste Tornado im Jahr
In diesem Jahr 2026 mussten wir bereits sehr lange warten, bis überhaupt der erste Tornadoverdacht bestätigt werden konnte. Dies war am 03.06. der Fall, als von Borkum aus eine Wasserhose beobachtet werden konnte. Genauer gesagt war es nicht nur eine, sondern gleich drei. Das war das späteste Datum im Jahresverlauf für den ersten bestätigten Tornado seit dem Jahr 2000. Der bisher späteste erste Fall stammte vom 24.05.2003 (damals der Tornado von Großenhain).
Der Tornado auf dem Bodensee und die Tornados bei Glückstadt
Auch danach hielten sich die Meldungen in Grenzen. Am ehesten ist wohl noch die fotogene Wasserhose auf dem Bodensee in Erinnerung geblieben. Sie war überaus fotogen und konnte von Friedrichshafen aus beobachtet werden. Auch über unsere WarnWetter-App hatten uns zahlreiche Aufnahmen dazu erreicht.
Auch in einer eher ruhigen Tornadosaison können einzelne Ereignisse durchaus folgenschwer sein, wie eindrücklich die Lage am vergangenen Sonntag zeigte. Die Bedingungen für das Auftreten von Tornados waren an diesem Tag recht gut (www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/7/19.html) und so konnte sich am späten Nachmittag südlich von Cuxhaven an der Nordseeküste eine Gewitterzelle bilden. Diese Gewitterzelle unterschied sich von den anderen Zellen an diesem Tag, denn sie begann zu rotieren. Mithilfe des Wetterradaren können wir diese Rotation erfassen. Im Bild sieht man die Rotationsspur der Gewitterzelle. Man erkennt, dass die Rotation im Verlauf beständig stärker wurde. Bei gleichzeitig niedriger Wolkenuntergrenze konnte sich aufgrund der günstigen Umgebungsbedingungen ein Tornado ausbilden.
Nach aktuellem Stand der Untersuchungen wurden von der Gewitterzelle insgesamt mindestens drei Tornados hervorgebracht. Die weiteren Untersuchungen dauern jedoch noch an. So muss geprüft werden, ob sich auch zwischen den drei Ereignissen noch Schäden finden lassen, die auf eine längere Schadensspur hindeuten. Zudem laufen derzeit noch Untersuchungen zur genauen Stärke der einzelnen Tornados. Momentan wird davon ausgegangen, dass einer der Tornados sogar die Stärke IF2 erreicht haben könnte (220 ± 60 km/h).
Tornadoexperten
Aber wer untersucht diese Fälle überhaupt? Die Tornadoexpertengruppe des Deutschen Wetterdienstes ist Teil eines größeren Expertennetzwerks in Deutschland (TOREX – Tornadoexpertenverbund Deutschland). Über eine gemeinsame Plattform tauschen wir uns zu aktuellen Verdachtsfällen aus. Wir bewerten die eingehenden Informationen aus sozialen Medien, der Presse oder aus privaten Zuschriften. Anhand des Schadensmusters und im Abgleich mit Bildern unserer Wetterradare können wir Verdachtsfälle gemeinsam bestätigen - oder eben nicht. Außerdem können wir die Stärke anhand einer objektiven Skala festlegen (IF-Skala).
Tornadoverdachtsfälle melden
Was in den nächsten Tagen und Wochen noch an neuen Fällen hinzukommt, lässt sich derzeit nicht absehen. Sollten Sie einmal den Verdacht haben, dass ein bestimmtes Ereignis vielleicht ein Tornado gewesen ist, so schreiben Sie uns gerne an: tornado@dwd.de.





