Für die Idee, heute mal einen Blick auf Luftmassen zu werfen, gibt es natürlich einen Anlass. Zu sehen ist dieser auf der Fronten- und Bodendruckvorhersagekarte für den heutigen Donnerstag um 12 UTC (entspricht 13 MEZ) in Abbildung 1. Diese basiert auf dem Modelllauf unseres DWD-Modells ICON aus der vorvergangenen Nacht (11.03.2026, 00 UTC). Sehr schön ist zu erkennen, dass das steuernde Zentraltief FRITAUN Luft aus dem Bereich der Labradorsee und der Baffin Bay "anzapft" und diese einmal quer über den Nordatlantik in Richtung Europa führt (blaue Pfeile).
Einerseits bedeutet dies, dass die Luft aus einer subpolaren Region zu uns kommt. Andererseits verlaufen die Isobaren, also die Linien gleichen Druckes, über dem gesamten Nordatlantik recht gradlinig. Sie schlängeln oder kräuseln sich nicht, auch sind in die Strömung keine weiteren Druckgebilde eingelagert, die zu einer kräftigeren, auch vertikalen Durchmischung der Luft führen könnten. Diese beiden Faktoren sind schon ganz zentral für die Definition einer Luftmasse. Denn laut ebendieser Definition ist eine Luftmasse ein größerer Bereich der Atmosphäre, in dem die Luft gleichbleibende Eigenschaften aufweist. Dies können recht naheliegende Eigenschaften wie z. B. die Temperatur oder die Feuchte, aber auch weniger offensichtliche wie z. B. die Labilität sein.
Da Luft aus unterschiedlichen geografischen Breiten verschiedene Eigenschaften aufweist, ist im Umkehrschluss die geografische Breite eine gute Größe um Luftmassen zu unterscheiden. Das war auch schon den Wissenschaftlern an der Universität Bergen klar, die zu Beginn der 1920er Jahre erstmals versuchten Luftmassen festzulegen. Sie unterschieden dabei - nach einer anfänglich etwas gröberen Unterteilung - äquatoriale (E), tropische (T) subtropische (S) sowie subpolare (P) und arktische (A) Luft. Nach dieser Logik erhält "unsere" aktuelle Luftmasse aus der Baffin Bay bzw. der Labradorsee als subpolare Luftmasse ein "P".
Die Luft wird auf ihrem Weg zu uns, wie oben schon angedeutet, nicht vermischt. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht durchaus verändert wird. Hier sei einerseits die Erwärmung von arktischer oder polarer Luft genannt, beispielsweise durch solare Einstrahlung, aber auch durch warme Oberflächen (etwa Meeresoberflächen). Dieser Erwärmungsprozess wird bei der Luftmassenklassifikation mit einem angefügten "s" gekennzeichnet. Andererseits wird, je nachdem ob die Luftmasse über Festland oder Meeresoberflächen strömt, weniger oder mehr Feuchte in die Luftmasse eingetragen. Deshalb unterscheidet man durch ein vorgestelltes "c" oder "m", ob es sich um eine kontinental oder maritim beeinflusste Luftmasse handelt.
Für die letztgenannte Unterscheidung kann man sich z. B. arktische Luftmassen aus der Region um den Nordpol vorstellen. Strömen diese über Skandinavien zu uns, dann handelt es sich um "cA", also kontinentale Arktikluft. Macht die Luft aber einen kleinen Bogen und strömt westlich an Norwegen vorbei über das Nordmeer, dann wird von "mA", also von maritimer Arktikluft gesprochen. Mit fast dem gesamten Nordatlantik überströmt auch "unsere" aktuelle Luftmasse mehrheitlich Meer, sie bekommt damit auch ein "m" verpasst und nennt sich folglich "mP" für maritime Polarluft.
Sehr schön strukturiert erhält man diese Informationen auch im DWD-Lexikon oder im Thema des Tages meines Kollegen Adrian Leyser vom 06.01.2021 , insbesondere auch eine Tabelle mit allen gängigen Luftmassenbezeichnungen. Dort werden auch die letzten noch offenen Fragen geklärt, nämlich die nach der Luftmasse "Sp" (für die mittleren Breiten) und das Präfix „"x" bei Luftmassen, die nicht eindeutig maritim oder kontinental sind.
Das Wetterlexikon wartet darüber hinaus mit den typischen Eigenschaften der verschiedenen Luftmassen auf, grob unterschieden nach Sommer und Winter. Die Luftmasse "mP" präsentiert sich im Winter demzufolge nasskalt mit Regen, im Bergland auch mit Schnee. Und genau so könnte eine grobe Wettervorhersage für die nächsten Tage tatsächlich aussehen. Um diesbezüglich etwas präziser zu werden, ist in Abbildung 2 der akkumulierte Niederschlag bis in die Nacht zum Dienstag dargestellt, einmal nach dem DWD-Modell ICON-EU, einmal nach dem europäischen Modell IFS. Der avisierte Regen soll sich bis dahin laut der Modelle im Westen und an den Alpen auf um die 30 l/m2 akkumulieren.