27. April 2017 | Dipl.-Met. Thomas Ruppert

"Hoch Fennoskandien, überwiegend zyklonal"

"Hoch Fennoskandien, überwiegend zyklonal"

Datum 27.04.2017

Während in Mitteleuropa schwacher Tiefdruckeinfluss zunächst für einen vielerorts stark bewölktem Himmel und gebietsweise Niederschläge sorgt, die im Bergland noch als Schnee fallen können, etabliert sich über Fennoskandien ein Hochdruckgebiet, das unser Wetter in den nächsten Tagen beeinflusst und der vorliegenden Großwetterlage seinen Namen gibt.

In Mitteleuropa sowie über dem größten Teil des Mittelmeerraumes herrscht derzeit Tiefdruckeinfluss, wichtigstes Aktionszentrum ist das mit seinem Zentrum über Oberitalien liegende Tiefdruckgebiet TAREK, das voraussichtlich noch bis in die Nacht zu Sonnabend in Süddeutschland für Dauerniederschläge sorgt, die in höheren Lagen als Schnee fallen.



Währenddessen steigt bereits jetzt der Luftdruck über über dem Nordmeer und zunächst über dem Norden "Fennoskandiens", später über der gesamten Halbinsel entsteht ein markantes Hochdruckgebiet mit einem Kerndruck von mehr als 1030 hPa. Übrigens ist der Begriff "Fennoskandien", auch "Fennoskandinavien" genannt, eine geologisch-geographische Bezeichnung für die nordeuropäische Halbinsel, die sich aus Finnland (Fenno-) und der Skandinavischen Halbinsel (-scandia) sowie Karelien und der Halbinsel Kola zusammensetzt.

Vom synoptisch-klimatologischen Standpunkt bietet sich für die kommenden Tage die Klassifizierung der Großwetterlage als zyklonal geprägtes "Hoch Fennoskandien" (wiss. Abkürzung "HFz") an, wobei "zyklonal" für Tiefdruckeinfluss in Mitteleuropa steht. "HFz" zählt zu den gemischten Zirkulationsformen, d.h. die zonale, also in West-Ost-Richtung verlaufende Strömungskomponente und der in Nord-Süd-Richtung orientierte, meridionale Anteil, sind etwa in derselben Größenordnung.

Über der Nordwesthälfte des Kontinents liegt eine ursprünglich maritime Polarluftmasse, die am morgigen Freitag noch mit unbeständigem Wetter verbunden ist. Die eigentliche "Frontalzone", also der Übergangsbereich zu den weiter südlich und südöstlich liegenden, ursprünglich subtropischen Luftmassen verläuft in unserem Falle als Frontenzug in weitem Bogen vom westlichen und zentralen Mittelmeerraum über Osteuropa hinweg bis zum mittleren Ural.


Zum Vergrößern bitte klicken


Nebenstehend finden Sie im oberen Teil der Abbildung die vom heutigen 00:00-UTC-Lauf des amerikanischen Vorhersagemodells GFS berechneten Felder des Bodenluftdruckes sowie der "pseudopotentiellen Temperatur" [°C] auf der 850-hPa-Hauptdruckfläche. Die pseudopotentielle Temperatur ist eine thermodynamische Größe zur Erfassung des aus fühlbarer und latenter Wärme bestehenden Energieinhaltes einer Luftmasse. Darunter gibt es für denselben Termin eine mit Daten vom heutigen 00:00-UTC-Lauf des deutschen Vorhersagemodells ICON erstellte Bodenwetterkarte (Prognosekarte).



© Deutscher Wetterdienst